Leseprobe aus der Digitalen Fachbibliothek: Innovationsmanagement

Konzept-Entwicklung und -Bewertung mit TRIZ und QFD

Bernd Gimpel

In der Unternehmenspraxis fehlen leider oft Zeit und Muße für eine komplette TRIZ-Analyse. Da wird nicht selten nach schnellen Lösungen gesucht, die innerhalb eines Tages generiert werden können. Der vorliegende Beitrag erläutert, wie man auch unter Zeitdruck mit der TRIZ-Methode brauchbare Ergebnisse erzielt.

In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • wie die TRIZ-Prinzipien und die 6-3-5-Brainwrit-ing-Methode effizient eingesetzt werden können,
  • wie man neue Ideen mit Hilfe von Mind Maps strukturiert und mit QFD bewertet,
  • wie man ein Portfolio erstellt, das als Entscheidungsvorlage genutzt werden kann

Zielsetzung

TRIZ ist eine Methodik mit der systematisch Ideen generiert werden können. In der Praxis zeigt sich allerdings dass viele Unternehmen sich nicht die Zeit nehmen sich mit der Methode ausführlich zu beschäftigen. Oft werden schnelle Lösungen gesucht die innerhalb eines Tages generiert werden müssen. Hierzu wird dann ein Workshop durchgeführt bei dem innerhalb dieser Zeit konkrete Vorschläge vorliegen sollen. Dabei haben die Teilnehmer oft keine methodischen Vorkenntnisse. Hinzu kommt dass es nicht reicht eine große Ideenliste zu generieren. Vielmehr sollen am Ende des Workshops die Ideen bewertet und die interessantesten ausgewählt werden.

Als Unternehmensberater und externem Moderator stellte sich dem Autor die Frage wie man TRIZ nutzen und trotzdem die gestellten Randbedingungen erfüllen kann. Eine Fragestellung die übrigens auf Grund ihres widersprüchlichen Charakters gut mit TRIZ beantwortet werden kann.

Doch zunächst einmal zusammengefasst die Zielsetzung:

  • einfache und in der Praxis anwendbare Vorgehensweise
  • keine methodischen Vorkenntnisse der Teilnehmer erforderlich
  • strukturierte Vorgehensweise zur Generierung und Bewertung von Ideen
  • Durchführung in einem halben bis einem Tag möglich.

Ideenfindung mit TRIZ

Die grundlegende Idee von TRIZ ist dass alle Innovationen aus der Lösung von Konflikten oder Widersprüchen entstehen. Dabei lassen sich alle Konflikte auf die Optimierung von 39 technischen und physikalischen Parametern zurückführen. Die innovativen Lösungen der Optimierung der Parameter basieren auf 40 verschiedenen Wirkprinzipien. Für die Lösung der Konflikte der Parameter lassen sich bevorzugte Wirkprinzipien oder Kombinationen von Wirkprinzipien finden. Die hierbei verwendete Vorgehensweise ist in Abb. 1 dargestellt.

bilder/Konzept-Entwicklung-und-Bewertung-mit-TRIZ-und-QFD

Abb. 1:

Klassischer Ansatz von TRIZ zur Findung neuer Lösungsansätze

Der Vorteil dieser Vorgehensweise ist dass die Beschäftigung mit Konflikten zu tieferem Verständnis und gegebenenfalls bereits zu Lösungsansätzen führt. Von Nachteil ist allerdings dass die Formulierung der Konflikte schwierig und zeitaufwendig ist. Gerade für »Neulinge« ist die Vorgehensweise sehr ungewohnt und verwirrend da oft mehrere Konflikte möglich sind. Dadurch können Lösungsansätze übersehen werden wenn Konflikte nicht entsprechend formuliert werden.

Betrachten wir dies am Beispiel einer Pizzabox. Aufgabe ist es die Pizza heiß und knusprig von der Pizzeria nach Hause zu bekommen. Dabei stellen wir fest dass die Pizza bei geschlossener Box zwar heiß aber dafür »labbrig« zu Hause ankommt. Öffnen wir die Box während des Transportes so bleibt die Pizza knusprig ist aber leider kalt.

Ein möglicher Konflikt wäre hier eine Erhöhung der Temperatur 17 versus keine Beeinträchtigung der Festigkeit 14. Die Konflikttabelle liefert hierzu die folgenden Lösungsprinzipien:

  • 10 vorgezogene Aktion
  • 22 Schädliches in Nützliches verwandeln
  • 30 elastische Hüllen und dünne Schichten
  • 40 Verbundmaterialien

Aber andere Konfliktformulierungen sind ebenso möglich zum Beispiel Temperatur versus Stabilität oder Temperatur versus Form. Dabei besitzt jede andere Konfliktformulierung bis zu vier Lösungsprinzipien. Bei beispielsweise vier verschiedenen Konfliktpaaren kommt man so schnell auf 16 Lösungsprinzipien die man sich anschaut.

Daher stellt sich die Frage ob man stattdessen alle 40 Prinzipien als Checkliste verwendet und diejenigen einfach überspringt die nicht anwendbar sind. So ergibt sich die in Abb. 2 dargestellte Vorgehensweise.

Die Vorteile des in Abbildung 2 dargestellten Verfahrens sind:

Konzept-Entwicklung-und-Bewertung-mit-TRIZ-und-QFD

Abb. 2:

Checklistenansatz zur Findung neuer Lösungsansätze

  • schnell und einfach anzuwenden
  • auch von »Neulingen« problemlos einsetzbar
  • Beschäftigung mit allen Prinzipien führt gegebenenfalls zu Lösungsansätzen die sonst übersehen würden.

Die Nachteile sind:

  • Ansätze die bei Formulierung der Konflikte entstehen werden nicht gefunden
  • das Durchgehen aller 40 Prinzipien kann ermüdend sein so dass der »Elan« gegen Ende nachlässt
  • nicht alle Prinzipien sind passend für das Problem.

Somit ergibt sich der folgende Widerspruch:

  • Man will alle Prinzipien durchgehen um nichts zu übersehen.
  • Man will nicht alle Prinzipien durchgehen da es zu ermüdend sein kann.

Dieser Widerspruch lässt sich durch eine räumliche oder zeitliche Trennung lösen. Das heißt:

  • bei kleiner Gruppe: Prinzipien in Blöcken durchgehen zum Beispiel 10/Session
  • bei größerer Gruppe: Aufteilen der Prinzipien auf mehrere Arbeitsgruppen.

Bei nicht passenden Prinzipien wird Prinzip 21 angewendet Schneller Durchgang = Überspringen. Die 40 Prinzipien sind in Tabelle 1 noch einmal als Checkliste dargestellt.

Für die Durchführung eines Workshops hat sich die folgende Vorgehensweise bewährt:

  • gemeinsame Definition der Zielsetzung
  • Vorstellung des TRIZ-Ansatzes der 40 Lösungsprinzipien
  • Bildung von Gruppen aus den Teilnehmern
  • Verteilung von Lösungsprinzipien auf die Teilnehmergruppen
  • Generierung von Ideen in den Gruppen/Nutzung der Lösungsprinzipien als Anregung
  • Brainstorming oder
  • Brainwriting 6-3-5
  • Zusammenfassung der Ideen mit Mind Mapping
  • Bewertung und Auswahl von Konzepten mit Hilfe von QFD.

Als Beispiel für eine Anwendung soll ein Prozess dienen bei dem es um die Optimierung eines Schlafmittels geht. Das Problem ist dass durch bewusste oder unbewusste Überdosierung eine gesundheitliche Gefährdung besteht. Diese soll vermieden werden. Zunächst wird ein Brainstorming oder Brainwriting zur Generierung von Ideen durchgeführt.

Brainstorming:

  • Die Gruppen erhalten einen Satz von Lösungsprinzipien.
  • Sie gehen Prinzip für Prinzip durch und halten die Ideen fest.
  • Kritik wird nicht zugelassen im Mittelpunkt steht das Weiterführen der Ideen.
  • Nicht passende Prinzipien werden übersprungen.

Brainwriting zum Beispiel 6-3-5:

  • Jeder Teilnehmer erhält drei Blätter auf jedem Blatt steht ein Lösungsprinzip.
  • Er hat fünf Minuten Zeit seine Ideen auf dem jeweiligen Blatt festzuhalten.
  • Danach werden die Blätter reihum getauscht.
  • Jetzt hat jeder wiederum fünf Minuten Zeit neue Ideen zu den Prinzipien aufzuschreiben die Ideen seiner Vorgänger zu ergänzen oder weiterzuspinnen.

 

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